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Wie anonym ist man im Netz? Sie weiß es.




dossier zur medienbildung

Cyberbullying - Von der Macht der Täter und der Ohnmacht der Opfer

10.02.09 | Immer mehr medienaffine Jugendliche aber auch Erwachsene, die sich im Internet mehr oder weniger sicher bewegen, kommunizieren auch online: Sie chatten zwischendurch, schreiben jeden Tag E-Mails, legen wie selbstverständlich ein eigenes Profil in einer der bekannten Sozialen Online-Netzwerke wie MySpace oder facebook an und bieten anderen Usern so immens viele Möglichkeiten, Kontakt zu ihnen aufzunehmen. Das vorliegende mekonet Dossier zum Safer Internet Day der Europäischen Union beleuchtet eine Schattenseite dieser inzwischen immer und überall erreichbaren "Medienaffinen" und klärt über ein Thema auf, das immer akuter wird: Virtuelle Mobbing-Attacken oder Cyberbullying bezeichnet eine neue Form von Mobbing, die durch die ständige Erreichbarkeit für Betroffene im Extremfall omnipräsent wird.

Es liest sich wie die moderne Variante einer tragischen Liebesgeschichte: In dem virtuellen sozialen Netzwerk Öffnet externen Link in neuem FensterMySpace – einer Online Community – lernte das junge 13 jährige, etwas adipöse Mädchen Megan, einen drei Jahre älteren, gut aussehenden Jungen kennen, der großes Interesse an ihr zeigte, ihr schmeichelte und sie umgarnte. Alles geschah sehr zurückhaltend und in keiner Weise obszön. Die Eltern des Mädchens waren für Gefahren im Netz sensibilisiert und ließen ihre Tochter daher nicht unkontrolliert an den PC. Da der Internetkontakt harmlos wirkte, erlaubten die Eltern, dass ihre Tochter den Jungen als Freund in ihre Kontaktliste aufnahm. Das Mädchen verliebte sich unsterblich in ihren Schwarm, doch noch bevor es zu einem nicht virtuellen Treffen kommen konnte, wendete sich das Blatt: Plötzlich wurde sie von ihrem Schwarm beleidigt und verstoßen. Er wollte nichts mehr von ihr wissen, weil ihm von Dritten zugetragen worden war, sie sei kein guter Umgang. Soweit die tragische Geschichte.

Was nun folgte, beschäftigt seit dem Sommer 2008 ein US-amerikanisches Gericht. Nach dem Bruch zwischen den beiden Teenagern wurde auf dem MySpace Profil des Jungen auf übelste und beleidigende Weise über das Mädchen hergezogen, ihr eingestelltes MySpace-Foto wurde als Fälschung entlarvt, sie wurde als „fett“ geoutet, dadurch online bloßgestellt und fortan ständig durch Beschimpfungen per E-Mail, Chat und SMS belästigt. In den befreundeten MySpace-Profilen des Jungen setzten sich die Beleidigungen fort und potenzierten sich. Das Mädchen fühlte sich diesen Attacken ausgeliefert und begann an den ständigen Beleidigungen und Verleumdungen zu zerbrechen.

Am 16. Oktober 2006 erhängte sich Megan Meier im Haus ihrer Eltern. Im Laufe der Öffnet externen Link in neuem FensterBerichterstattung über den Fall des Mädchens wurde von der Presse aufgedeckt, dass das MySpace-Profil des Jungen tatsächlich gar nicht ihm gehörte, sondern sich hinter dem Profil eine ehemalige Freundin Megans verbarg, die ihr eine Lektion erteilen wollte. Die Mutter der früheren Freundin half ihrer Tochter, das Scheinprofil bei MySpace einzurichten und die virtuelle Identität von Megans Schwarm aufzubauen.

Solche Fälle erscheinen auf den ersten Blick extrem, doch sind tatsächlich mehr Jugendliche von ähnlichem Online-Mobbing betroffen oder schon einmal damit in Kontakt gekommen, als dies gemeinhin angenommen wird: Die letztjährigen Daten der Studie Öffnet externen Link in neuem Fenster„Jugend Information (Multi-) Media" (JIM) zeigen, dass 25 Prozent der Befragten Jugendlichen in ihrem Bekanntenkreis jemanden kennen, der schon einmal Opfer solcher Mobbing Attacken wurde, 17 Prozent gaben an, bereits selbst einmal Opfer gewesen zu sein. Die Öffnet externen Link in neuem Fenster"Internet Safety Technical Task Force“, eine Forschergruppe der Harvard University, stellte in ihrer jüngsten Studie sogar fest, dass das gegenseitige Mobbing unter Schüler(inne)n, eine wesentlich höhere Bedrohung besitzt, als beispielsweise sexuelle Belästigungen.

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