21.01.09 | „Generation Sorglos“ breitet ihr privates Leben im Netz aus. Doch warum? Social Networks wie SchülerVZ boomen. Sie treffen mitten in die Bedürfnisse junger Menschen nach Kommunikation, nach Selbstfindung, nach Darstellung, nach Peer-Group-Erlebnissen, nach Freiräumen, nach Grenztestungen und –überschreitungen, um nur einige zu nennen. Diese Bedürfnisse befriedigen sie mit „ihrem“ Medium, nicht mit den Medien ihrer Eltern. Marco Fileccia thematisiert in seinem mekonet Gastbeitrag die Bedeutung des Social Networking für Jugendliche und beschäftigt sich mit der so genannten "Generation Sorglos".

Bildrechte: Marco Fileccia
von Marco Filecia
Saras* Definition ihrer selbst liegt offen: Sie ist geboren am 4. März 1992, mag nette Leute, Freunde und Dating. Sie ist solo und eher unpolitisch. Ihre Lieblingsmusik, ihre –filme und ihre Hobbys ... alles nachzulesen, ebenso wie ihre Größe und das Foto. Sara stellt sich dar. Öffentlich. Julia* zeigt im SchülerVZ 88 Fotoalben. Jedes Fotoalbum besteht aus über 50 Fotos. Sie stellt ihren Alltag dar, sich selbst und ihre Freundinnen. Sie testet ihren Selbstwert auf diesem Weg, findet auf diese Weise, quasi dialektisch, ihren Platz in der Gesellschaft. Marc* ist stolz auf die Mitgliedschaft in 46 Gruppen mit Namen wie „Ja, ich weiß, du willst mich ... stell dich hinten an“ oder „Abschreiben bei Arbeiten?? Wir nennen das Teamwork!“. Er arbeitet nicht in und mit diesen Gruppen. Wichtig ist ihm die Liste der Gruppen als Markenzeichen seiner selbst. Etwa: „Zeige mir in welchen Gruppen du bist und ich sage dir, wer du bist“. Lisa* hat 70 „Freunde“ bei SchülerVZ und ist damit am unteren Ende der Wichtigkeitsskala, die sich an der Anzahl der Freundschaftseinladungen bemisst. Janina* offenbart ihre enttäuschte Liebe zu einem Klassenkameraden – in einem öffentlich zugänglichen Video. Sie ist in ihrem „Dorf“, wie Joachim Paul im Medienbrief 2/2008 treffenderweise umschrieb und glaubt sich dort von Bekannten umgeben. Der Fremde von außen, in diesem Fall ihr Lehrer, irritiert sie maßlos bis zum Vorwurf: „Warum gucken Sie dort hinein?“.
MySpace, wer-kennt-wen, Spickmich … Social Networks (oder auch Social Communitys genannt) boomen und es erscheint, dass die Grenze dessen, was als privat angesehen wird und was öffentlich sein darf, immer stärker in eine Richtung tendiert - hin zu einem mitgeteilten Leben. „Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist“ sagte der französische Schriftsteller Victor Hugo (1802-1885) und so scheint es mit dem Phänomen
Social Networks zu sein. Sie treffen ins Herz der Bedürfnisse der Jugend zu Beginn der
digitalen Revolution und zielen auf Bedürfnisse nach Kommunikation, nach Selbstfindung, nach Darstellung, nach Peer-Group-Erlebnissen, nach Freiräumen, nach Grenztestungen und –überschreitungen, um nur Einige zu nennen. Diese Bedürfnisse befriedigen sie mit „ihrem“ Medium, nicht mit den Medien ihrer Eltern.