
Wie nutzen Jugendliche das Internet im Kontext von Intimität, Sexualität und Pornografie? Welche aktuellen Ergebnisse der Medien- und Sexualforschung liegen vor? Wie reagieren Sexual- und Medienpädagog(inn)en, Lehrer(innen) und Sozialarbeiter(innen) angemessen und pädagogisch sinnvoll auf diese unterschiedlichen Mediennutzungserfahrungen?
„Intimität im Netz“ will in knapper Form einige Antworten auf diese schwierigen Fragen geben sowie weiterführende Informationsangebote und Anlaufstellen für Multiplikatoren in der Medienbildung benennen.
Kinder und Jugendliche wachsen unter den Bedingungen einer medialen Vollversorgung mit Handy, Computer und Fernsehen auf. Fast alle Jugendlichen nutzen das Internet, mehr als jede(r) zweite kann vom eigenen Zimmer aus das Netz nutzen. Es ist das bevorzugte Kommunikationsmedium für Heranwachsende: Knapp die Hälfte ihrer Nutzungszeit verbringen sie in sozialen Netzwerken, halten Kontakt über Instant Messenger, schicken
E-Mails oder chatten. In den beliebten Communitys – allen voran schülerVZ – nutzt nur jede(r) zweite die „Privacy“-Einstellung, obwohl immer mehr persönliche Fotos und Informationen in den Profilen eingestellt werden (JIM-Studie 2009).
Jugendliche verbringen inzwischen fast genauso viel Zeit im Internet wie vor dem Fernseher und sehen und kommentieren zum Beispiel Online-Videos auf Video-Plattformen. Natürlich steht auch das Musikhören mit an erster Stelle bei den bevorzugten Medientätigkeiten. Somit nutzen Jugendliche ein breites Medienensemble – nicht nur passiv aufnehmend, sondern durch die interaktiven Möglichkeiten des Internets auch aktiv gestaltend und sozial vernetzend.
Was bedeutet die Allgegenwärtigkeit und Nutzungsvielfalt von Medien insbesondere für Jugendliche? In der Medienwirkungsforschung hat sich die leitende Frage von „Was machen die Medien mit den Menschen?“ hin zu der Frage „Was machen die Menschen mit den Medien?“ verschoben. Der sogenannte „Nutzen- und Belohnungsansatz“ geht davon aus, dass Medien zur Befriedigung von Wünschen und Bedürfnissen genutzt werden. Medien können hier Impulsgeber, Bühne und Werkzeug für individuelle Konstruktions- oder auch Vergemeinschaftungsprozesse sein. Sie lassen „Identitätsspielräume“ zwischen den medialen Kommunikationsmöglichkeiten und den lebensweltlichen Einflüssen entstehen (Tillmann 2009).
In diesen Räumen können Jugendliche sich selbst präsentieren, sich orientieren sowie Zugehörigkeit und Unterstützung erfahren. Die Möglichkeiten von sozialen Netzwerken wie schülerVZ, von gestaltbaren Videoplattformen oder anderen Angeboten des Mitmach-Netzes („Web 2.0“) bedienen genau diese Wünsche und Bedürfnisse nach Unterhaltung, Orientierung, Teilhabe und Selbstdarstellung. In der Pubertät sind es insbesondere sexualbezogene Kommunikationsformen, die für Jugendliche im Rahmen ihres Identitäts- und Beziehungsmanagements an Bedeutung gewinnen – ein entsprechendes Mediennutzungsverhalten ist daher nicht ungewöhnlich.