Abweichende Nutzungspräferenzen zwischen den beiden Geschlechtern zeigen sich schon bei den sechs bis 13jährigen. Für Kinder dieser Altersgruppe ist das Fernsehen laut
KIM-Studie 2006 nach wie vor das Leitmedium. Daneben nehmen besonders Bücher für junge Mädchen eine wichtige Rolle ein, auch wenn die Attraktivität des Mediums Buch mit zunehmendem Alter der Mädchen abnimmt. Inhaltlich bevorzugen jüngere Mädchen Tiergeschichten und Sachbücher über Tiere, während sich jüngere Jungen eher für Comics, Detektivgeschichten und Krimis begeistern. Mit steigendem Alter gewinnen Romane an Bedeutung. Besonders gemocht werden Romane beliebter Fernsehsendungen. Längere und vor allem lineare Textsorten, die vom Lesenden eine kontinuierliche Aufmerksamkeit einfordern, scheinen für heranwachsende weibliche Jugendliche attraktiver als für Jungen der gleichen Altersgruppe zu sein. 48% der Mädchen bevorzugen die Lektüre von Büchern. Bei den Jungen sind es nur 28%. Diese lesen lieber Zeitschriften als längere Textsorten. 50% der Jungen lesen lieber Zeitschriften als längere Textsorten. Mädchen lesen mit 47% Zeitschriften fast genauso oft wie Bücher.
Mit steigendem Alter werden die Interaktivmedien für Jungen und Mädchen bedeutsamer. Aber auch hier zeigen sich in gemäßigtem Umfang Nutzungsunterschiede. So förderte die
JIM-Studie, die Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren befragt hat, zu Tage, dass Mädchen (95%) noch etwas häufiger ein Handy besitzen als Jungen (92%). Mädchen beschäftigen sich auch stärker mit dem Mobiltelefon (86%; Jungen 78%). Computer werden von 87% der Jungen gegenüber 81% der Mädchen genutzt. Auch bei der Internetnutzung liegen sie mit 78% (gegenüber 76% bei den Mädchen) vorn. 32% der Jungen spielen an TV-Konsolen. Hingegen tun dies nur 5% der Mädchen.
Und das schlägt sich nieder: Am wenigsten verzichten können Jungen auf den Computer (33% gegenüber 16% der Mädchen), während Mädchen am wenigsten auf das eher kommunikative Internet verzichten können (23% der Mädchen gegenüber 21% der Jungen).
Während Mädchen die Interaktivmedien insbesondere kommunikativ nutzen, scheinen sie für Jungen zudem ausgeprägte spielerische und technische Reize zu haben. Die Folge ist eine nach Geschlecht differierende Ausprägung von Medienkompetenz, gerade in Verbindung mit dem im elterlichen Milieu vorgelebten Mediennutzungsverhalten und Wertekanon. Dessen Einfluss ist u. a. Gegenstand der Studie „Medienhandeln Jugendlicher“ von Klaus Peter Treumann, Dorothee M. Meister, Uwe Sander u. a.. Unter den Bildungsorientierten (20,4%), die verstärkt Print-, dafür aber weniger AV-Medien nutzen, sowie den Kommunikationsorientierten (19,1%) finden sich insbesondere Mädchen höherer Bildung, also etwa Abiturientinnen. Sie stehen den Positionslosen (20,3%) oder auch den unbedarften Konsumorientierten (17,4%) gegenüber, die wenig Print- dafür aber intensiv AV-Medien nutzen. Letztere sind tendenziell ältere männliche Jugendliche. Sie setzen sich ab von deutlich kleineren, im Verhalten stark gegensätzlichen und ebenfalls männlich dominierten Gruppen der versierten Allrounder (12%) und den unauffällig einzelgängerischen Deprivierten (7,8%). Noch einmal ganz anders agiert die kleine Gruppe der insbesondere technisch versierten kreativen Gestalter (3,1%) unter den Jugendlichen, die Medien für sich neu- und umgestalten.